Letzte Weihnacht habe ich dich versengt,
aus Lust einen goldenen Schnitt dir geschenkt.
noch am selben Abend warst du hin und weg,
Heil’ge Nacht war ganz still, nur das Christkind so jeck.
Klang-Puristen mögen erschaudern bei der Vorstellung, der Originalfassung für Pianoforte von Franz Schuberts (1797-1828) Winterreise musikalisch und choreografisch etwas hinzuzufügen. Doch die Inszenierung mit dem Tanz-Theater Münster unter der Leitung von Hans Henning Paar holt auf der Grundlage der Komposition von Hans Zender auch die gesellschaftlichen und politischen Bezüge des Liederzyklus in die Gegenwart.
Knirrschende Schritte im Schnee, pfeifende Windböen oder klirrendes Eis – Hans Zender macht in seiner Winterreise von 1993 die raue Grundstimmung von Schuberts musikalischen Figuren auch für unsere Ohren hörbar.
Ein befreundeter Oberstudienrat beklagte kürzlich, dass er seine Schüler laut offiziellem Benotungssystem bereits mit zwei Punkten belohnen müsse, wenn sie willens und in der Lage seien, ihre Arbeiten korrekt zu nummerieren und zu signieren. Ein Regelwerk für Rechtschreibung lerne keiner seiner Schüler mehr. Kulturpessimismus hin oder her: Wozu sich noch um Regeln scheren, wenn ohnehin erlaubt ist, was gefällt?
Da steht er in des Fährmanns Kahn,
nackt wie er ist in seinem Wahn,
den trüben Blick nach vorn gerichtet,
dem Heldenmythos streng verpflichtet.
Poussiert mit seiner Männlichkeit,
wo ist sie hin, die HERRlichkeit? Weiterlesen →